Bundesarchiv-Präsident Dr. Michael Hollmann zu Verschlusssachen und ihre Aufarbeitung
Dr. Michael Hollmann, seit Mai 2011 Präsident des Bundesarchivs.
„Der Staat hat zurecht Geheimnisse – im Sinne der öffentlichen Sicherheit“ stellt Dr. Michael Hollmann gleich zu Beginn des Gespräches zu Verschlusssachen (VS) des Bundes fest. Das wirkt nicht abweisend oder bremsend auf die weitere Fragestellung, sondern beschreibt nüchtern eine Tatsache. Seit Mai 2011 ist der promovierte Historiker Präsident des Bundesarchivs, in dem er seit 1989 arbeitet. Hollmann ist VS-ermächtigt, darf also, wenn es seine Aufgaben als Archivar erfordern – in Akten lesen, die der Öffentlichkeit vorenthalten bleiben. So kann er auch in Teilen beurteilen, wie stark denn die „öffentliche Sicherheit“ durch die Informationen in diesen Unterlagen gefährdet ist und gibt Entwarnung. „Oft genug sind das rein formale Vorgänge, die nur deshalb heute nicht offen sind, weil sie schlicht durch die Verursacher geprüft und freigegeben werden müssten“.
Vor 50 Jahren: Im Ahrtal entsteht ab 19.1.1962 das „Staatsgeheimnis Nummer 1“
Der Osteingang zum Bunker mit Baubeginn 1962: Genau hier liegt heute die Dokumentationsstätte Regierungsbunker und konnte bisher mehr als 300.000 Besucher begrüßen.
„Es gab keinen feierlichen Spatenstich. Festredner blieben der Baustelle im Ahrtal fern genau wie die Öffentlichkeit“, erinnert sich Bunkerbauer Lothar Hujet aus Heimersheim an jene dritte Januarwoche im Jahr 1962. Am 19. Januar – einem Freitag – beginnt die Bundesregierung mit dem Bau ihres Atomschutzbunkers im kleinen Ort Marienthal. Doch weder das Architekturbüro DSBI (Deutsche Societät Beratender Ingenieure, Essen) noch die Bundesbaudirektion – beide in der Bauleitung – erfahren etwas vom offiziellen Startschuss. Den gibt am Tag zuvor Bundeskanzler Konrad Adenauer höchstpersönlich während einer Ministerbesprechung im Bonner Kanzleramt. Das "Staatsgeheimnis Nummer 1" stellt selbst jene, die es umsetzen sollen, oft genug und von Anfang an vor Rätsel.